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Arbeitskreis für Nachhaltiges Greenkeeping

 

USGA Konstruktionsmethoden


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09.03.2017

Greens der USGA und des Kaisers neue Kleider

Greens der USGA und des Kaisers neue Kleider
Februar 2010
Armen Suny

In dem klassischen Märchen von Hans Christian Andersen versprechen zwei Weber dem Kaiser Kleidung, die nur die privilegierten und aufgeklärten Menschen sehen können. Und ein Kind ruft: „Aber er hat doch gar nichts an!“.

Seit nun schon einigen Jahrzehnten tyrannisiert die USGA mit ihren Konstruktionsmethoden für „nackte“ Grüns Golfplätze und Architekten, die häufig die teuersten Bauverfahren durchführen, ohne dass es einen empirischen Beweis gibt, dass diese Methode besser ist. Wir sollen blind diesen Konstruktionsmethoden folgen, und das trotz des Umstandes, dass sie bei Ausgaben von mehreren 10 Millionen Dollar im Forschungsbereich die alternativen Bauverfahren für Greens nicht angemessen untersucht haben. Natürlich gab es Studien, aber wie wir alle wissen, ist die Forschung hochpolitisch geworden und daher können Ergebnisse leider auf gegenwärtigen und zukünftigen Geldgebern beruhen.

Typische USGA-Konstruktionen der Grüns können pro Quadratfuß (ca. 0,093 m²) irgendwo zwischen drei und sechs Dollar teurer sein als andere Konstruktionsmethoden. Für unsere Erörterung rechnen wir mit fünf Dollar pro Quadratfuß und setzen 120.000 Quadratfuß Grüns an, dies bedeutet zusätzliche 600.000 Dollar Konstruktionskosten. Wenn wir die Zahlen für einen typische Golfplatzaufbau und -betrieb zugrunde legen, entsprechen je 100.000 Dollar Baukosten einem Dollar Greenfee. Daher hat der Druck der USGA auf Architekten und Golf im Allgemeinen zu einer durchschnittlichen Erhöhung der Greenfee um sechs Dollar pro Runde geführt. Ist dies gut für das Golfspiel? Die USGA propagiert die Auffassung, dass andere Konstruktionsmethoden für die Grüns nicht erwiesen und teurer zu unterhalten sind. Dies ist einfach nicht wahr. Wenn die USGA-Greens tatsächlich überlegen und einzig erfolgversprechend sind, warum bevorzugt die USGA dann nicht Austragungsorte für die US Open, die USGA-Greens haben?

Die USGA verhält sich ebenso wie die beiden Weber in Andersens Märchen. Die USGA-Greens sind genau wie des Kaisers neue Kleider, und ich bin wie das Kind, nur rufe ich „Aber es macht agronomisch wissenschaftlich gar keinen Sinn und ist zu teuer in der Konstruktion.“. Die USGA bleibt bei jeder neuen Version zum Umstellung der Baubeschreibung dabei. Dies wirft für mich die Frage auf, wie hoch der Anteil der Greens ist, die umgestaltet werden mussten. Hat die IRS recht damit, uns USGA-Greens über 30 Jahre abschreiben zu lassen? Ein Push-Up-Green lassen sie uns nicht abschreiben. Kann eine Konstruktionsmethode für die ganze Welt richtig sein? Es könnte ja auch für manche nicht stimmen! Die USGA erzählt uns weiterhin, dass des Kaisers neue Kleider schön sind und, wenn wir dem nicht zustimmen, dann sind wir Ketzer und schlecht für das „Königreich Golf“.

Dr. Michael Hurdzan und ich diskutieren seit Jahren über den richtigen Ansatz, um Konstruktionsmethoden für Greens zu betrachten. Seine Stimme war die einzige in der Branche, die die USGA-Greens herausforderte. Worüber Mike und ich uneins waren, sind sterile Grün-Mischungen als Wachstumsmedium. Er ist ein Verfechter von puren sandigen Greens im California-Stil, und ich bin ein Befürworter von Konstruktionsmethoden, die maßgeschneidert sind für die spezifischen agronomischen Bedingungen, immer unter Beimischung von Lebens- und Nährstoffreserven in den Bodenmix.

Lassen Sie mich erklären, dass ich es gewohnt bin, das Gras auf Push-Up-Greens in der Gegend um Philadelphia anzusaen, in den Golfclubs Aronimink, Merion und Rolling Green. Und dann hatte ich Push-up-Greens in Cherry Hill, schlechte USGA-Greens in Castle Pines und USGA-Greens in Shadow Creek. Ich habe Rasen in unterschiedlichsten Gebieten auf unterschiedlichsten Böden und Bauarten gepflanzt. Ich habe dabei im Allgemeinen die Erfahrung gemacht, dass nahezu alle Konstruktionsmethoden akzeptabel sind, solange die Wasserqualität gut war, es eine angemessene Oberflächendrainage gab und viel Licht und Luftbewegung vorhanden waren.

Als Rasenberater habe ich gern Vorstände zu einem ihrer besseren USGA Greens mitgenommen, um dort einen Blick auf den Rand der Greens zu werfen, wo wenig Betrieb herrscht, um dann das benachbarte Herren-Tee zu betrachten, auf dem viel los ist. Stets war der stark beanspruchte Rasen auf dem Tee, der oft dasselbe Gras, dieselbe Mähhöhe und dasselbe Pflegeprogramm hatte, in besserem Zustand, obwohl es typischerweise einen geringeren Gütegrad, oft keine Drainage und nur vier bis sechs Zoll Sand aufwies. Die Konstruktionskosten eines Tees liegen bei 25 % der Konstruktionskosten eines Greens und doch war das Tee in besserer Verfassung. Ich fragte die Vorstände dann oft, ob wir die Greens nicht genauso wie die Tees konstruieren sollten, sodass sie in besserem Zustand wären und weniger kosteten. Normalerweise hielten sie kurz inne, um dann wiederzukäuen, was sie in der Schule gelernt hatten. Vielleicht sollten wir schlussfolgernde Beweisführung als Rasen-Lehrgang unterrichten.

Was ich im Begriff bin zu erläutern, ist teils Spekulation und meine Auffassung. Das Konzept hinter den USGA-Greens war es, ein Green zu konstruieren, das von Regenmassen oder von zu starker künstlicher Bewässerung ertränkt wurde und dennoch eine annehmbare Putting-Oberfläche bietet. Außerdem wollte sie ein Green, das auch nach der Bewässerung mit Wasser von minderwertiger Qualität noch lebendigen Rasen unterstützt.

Folgerichtig häuften sie sandiges Material über dem Kies an und nahmen an, dass dies das Wasser ableiten würde. Nun, es hat nicht funktioniert. Der Sand über dem Kies bildete einen falschen Grundwasserspiegel, der später höhergelegter Grundwasserspiegel genannt wurde, weil es sich besser anhörte. Anstatt also zurück ans Zeichenbrett zu gehen, um eine Konstruktionsmethode zu entwickeln, die den Boden drainiert und keinen falschen Grundwasserspiegel erschafft, haben diese Wissenschaftler begonnen, die Vorzüge eines erhöhten Grundwasserspiegels anzupreisen und zu erklären, warum dies die ideale Methode sei, Gras zu züchten.

Nirgends habe ich bisher einen Beweis für diese Aussage gesehen, die wir alle als den „heiligen Gral“ der Konstruktion von Greens betrachten. Ein falscher Wasserspiegel ist nicht die ideale Methode, um Gras zu züchten. In allen Bereichen der Landwirtschaft, abgesehen von Reisfeldern, kenne ich kein anderes Wachstumssystem, das auf einen falschen Wasserspiegel angewiesen ist.

Viele Vorstände sind zu der Erkenntnis gelangt, dass man, um ein USGA-Green zu drainieren, viele der Bodenräume im Sand mit Wasser füllen muss, bis das Gewicht des Wassers und die Schwerkraft dazu führen, dass der Wasserspiegel gesenkt wird. An diesem Punkt beginnt die Drainage des Greens und die Bodenräume werden mit Luftporen gefüllt.

Wir haben jetzt viele Lehrgänge, die Absaugsysteme für USGA-Greens behandeln, damit der Wasserspiegel gesenkt werden kann, indem das Wasser aus den Greens entzogen wird. Wir haben also Greens entworfen und gebaut, die zu einem erhöhten Wasserspiegel führen, und da wir das Wasser dort nicht haben wollen, saugen wir es wieder ab. Klingt meiner Aussage von vorhin, dass schlussfolgernde Beweisführung als Rasen-Lehrgang notwendig ist, jetzt vielleicht vernünftiger? Ben Franklin wird mit dem Satz zitiert: „Gesunder Menschenverstand ist selten.“. Er hat seine Zeit auch in Philadelphia verbracht … vielleicht liegt dort etwas in der Luft.

Die Lösung für diese universelle Konstruktionsmethode, das USGA-Green, ist es, unsere agronomischen Fähigkeiten und die Geländegestaltung zu nutzen und die spezifischen Konstruktionsweisen der Greens anzupassen. Das höchste Niveau von Konstruktionsmethoden wäre zu nutzen, wenn Agrostis-Gräser im feuchten Klima mit schlechtem Wetter im Süden (der USA) gebaut werden sollen. Dies wäre die anspruchsvollste Situation, die erreicht werden kann. Welche Methode würde für diese schwierige Ausgangslage angewendet werden? Ich würde die Konstruktionsmethode des Hochleistungs-Push-Up-Green vorschlagen.

Methode des Hochleistungs-Push-Up-Green
Green acht bis zehn Zoll unter der Bodenoberfläche entkernen
Aufrauen oder Untergrund aufreißen
Drainage einbauen, Fischgrätenmuster und Abflüsse in allen Abströmungsgebiete
Verfüllen der Drainagerillen mit Feinkies
Grünmischung oder Sand einbringen, Nachbesserungen können bearbeitet werden

Diese Methode bringt gute Leistungen unter ungünstigen Bedingungen. Je dichter der Untergrund, je stärker die Regenfälle und je schlechter die Wasserqualität, desto enger der Drainageabstand.

Geringere Umweltansprüche erfordern weniger intensive Konstruktionsmethoden. Ich habe Aufzuchtanlagen für Greens auf Mutterboden angelegt, um dann zu topdressen. Sie haben stets bessere Leistungen erbracht als USGA-Greens. Ich habe Greens gesehen, die auf Mutterboden angelegt wurden, der aufgerissen und mit einigen Zoll Sand bedeckt wurde, und die die USGA-Greens in derselben Gegend übertroffen haben. Jede agronomische Situation ist unterschiedlich, aber meiner Meinung nach erfordert keine USGA-Greens.

Grünmischungen brauchen Leben in sich. Die sterile Umgebung, die die USGA für so lange Zeit bestimmt hat, ist einfach nur schlechter Ackerbau. Es sind Reduktionismus und die Anwendung von Ingenieurlösungen, die geräuschlos und lebensverachtend sind, die die Böden produktiv machen. Das ist Hydrokultur. Wir schaffen einen unfruchtbaren Boden ohne Nährstoffvorrate und wundern uns dann, warum wir in den ersten drei Jahren diese seltsamen Rhizoctonia-Krankheiten sehen. Wenn wir unseren Grünmischungen durch das Einbringen von Kompost, natürlichen organischen Dünger und Pflanzenimpfstoffen Leben und Nährstoffvorräte beimischen, erhalten wir gesünderen Rasen und benötigen weniger Pestizide.

Hat schon einmal jemand daran gedacht, die Schadstoffe im Sickerwasser der USGA-Green mit denen in Push-Up-Greens zu vergleichen? Wir sollten freiwillig verfügen, dass wir dieses kontaminierte Sickerwasser nicht ins Abwasser geben.

Sollte der Kaiser, nachdem Sie dies gelesen haben, nicht Kleidung anziehen? Sollten wir, die wir verantwortungsbewusste Experten sind, nicht unser Fachwissen und unsere Erfahrung nutzen, um Konstruktionsmethoden zu entwerfen, die zur Umgebung und zum Gelände passen und dazu bessere Leistungen bringen, weniger kosten und verschmutzen? Vielleicht könnte die USGA sich Gedanken um die Regeln, Rechtecknuten, verankerte Putter und den Ball machen, die Konstruktionsmethoden für Greens aber uns überlassen? Wir würden nicht bewirken, dass die durchschnittliche Runde Golf sechs Dollar mehr kostet.



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