Stomata

Arbeitskreis für Nachhaltiges Greenkeeping

 


The Disturbance Theory


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04.01.2017

The Disturbance Theory Do Not Disturb! Richard Windows, STRI Turfgrass Agronomist.

The Disturbance Theory - Do Not Disturb! Richard Windows, STRI Turfgrass Agronomist.

Ich bedanke mich bei Richard Windows für die Erlaubnis zur deutschen Übersetzung. 25.2.2017 Norbert Lischka

Mehrjährige Gräser wie Festuca und Agrostis Capillaris benötigen eine gewisse Zeit zur Etablierung. Dies beschreibt Richard Windows in einem wirklich großartigen Artikel. Offensichtlich basieren die meisten der Beispiele in seinem Artikel auf Links Open Championship Plätze. Diese Daten und die angegebenen Parameter können nicht 1:1 auf andere Plätze übertragen werden. Meistens allerdings bleibt der Grundsatz der geringen Störung für die erfolgreiche Etablierung von Festuca und/oder Agrostis-Spezies unverändert. Vor dem Einsatz der Disturbance Theory müssen aber zuerst eventuelle Probleme mit Filz, Black Layer, Algen, Moos, Schichtenbildungen, Dränage und Verdichtungen in der Rasentragschicht beseitigt werden.

Grüns mit einem hohen Anteil von Agrostis und Festcua Gräsern sorgen in der Regel für ganzjährig gleichmäßige Puttoberflächen. Leider werden jedoch viele unserer Grüns weiterhin von der einjährigen Poa Annua beherrscht. Eine von allen STRI-Agronomen in Großbritannien und Irland durchgeführte Umfrage für die R&A (Forschung und Analyse) beweist dies. Die durchschnittliche Artenzusammensetzung der Golfgrüns im Jahr 2005 bestand zu 56 % aus Poa Annua, 32 % aus Agrostis, 7 % aus Festuca und 5 % aus Weidelgras. Auf 598 untersuchten Plätzen zeigten 75 % der Grüns mehr als 50 % Poa Annua. Diese Dominanz von Poa Annua macht unsere Grüns verwundbar und im Winter minderwertig. Diese Information zeigt, wie viele Plätze ihr Potenzial nicht ausschöpfen.
In der Vergangenheit wurde der Hauptgrund für die Dominanz von Poa Annua immer darin gesucht, dass zu viel Dünger und Wasser verwendet wurde. Früher dachte ich genauso, bis ich die Ökologie der Gräser betrachtete. Der Artikel "Die Veränderung der Natur Ihrer Grüns" erklärt dies im Detail. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Poa Annua von Störungen profitiert, während die feineren Gräser (Agrostis Capilaris / Festuca) sich eher in einer ruhigen Umgebung wohl fühlen. Poa Annua ist in Golfgrüns deswegen so erfolgreich, weil die Umwelt (Puttfläche) ständig gestört oder beschädigt wird. Der Störungsdruck wird hervorgerufen durch die Oberflächenbearbeitung und natürlich durch das Spiel. In diesem Artikel untersuchen wir den Einfluss der Oberflächenpflege auf die Zusammensetzung der Gräser. Das Ziel ist, Ihnen zu helfen, über die Pflege Ihrer Grüns ein wenig anders nachzudenken.

Die wahre Ursache für die Ausbreitung der Poa Annua ist das Schaffen von Lücken im Rasen. Ständige physische Beschädigungen (oder Störungen) der Graspflanze verursachen diese offenen Flächen. Moderne Praktiken des Greenkeepings und die Mechanisierung haben den Störungsdruck radikal erhöht, der dem feinen Rasen auferlegt wurde. Wir mähen, groomen und vertikutieren zu oft, um dem immer anspruchsvolleren modernen Golfer zu gefallen. Während solche aggressiven Praktiken vielleicht aus den richtigen Gründen durchgeführt werden, könnten sie am Ende unsäglichen Schaden verursachen. Die Symptome werden sichtbar, wenn der Rasen ausdünnt und die Bodenoberfläche bloßliegt. Poa Annua ist an diese Bedingungen besonders angepasst. Es kann daher schon stimmen, wenn man sagt, dass der falsche Gebrauch des Triplex-Mähers sowie anderer moderner Maschinen und Werkzeuge einer der Hauptgründe für die Poa-Annua-Dominanz in unseren Golf-Grüns sind.

Bevor wir diese extremen effizienten Werkzeuge hatten, war das Maß der Pflegarbeiten auf unseren Greens durch die Zeit und die physischen Beschränkungen des menschlichen Körpers limitiert. Es dauerte lange, die Grüns mit einem Handmäher, mit einem geschobenen Mäher oder gar mit der Sense zu mähen. Ganz zu schweigen von der körperlich anstrengenden Art der Arbeit. Es war zu dieser Zeit daher fast unmöglich, Grüns zu stark zu strapazieren und zu stören. Folglich waren das Grün und die Golfgrünumgebung meist ungestört, sodass die feinen Gräser dominieren konnten. Düngung und Bewässerung waren auf ein Minimum reduziert, da sonst das Gras einfach schneller wachsen würde! Die Greenkeeper wussten damals schon, dass zu schnelles Wachstum die Puttfläche minderwertig werden ließ. Wachstum war das letzte, was sie wollten. Eine gefestigte, ungestörte und unproduktive Umgebung eignet sich besser für die feineren Gräser. Zudem bietet sie die besten Putting-Oberflächen während des ganzen Jahres. Old Tom Morris hatte das verstanden.

Die Ruhe dieser ungestörten und unproduktiven Umgebung war 1968 mit der Einführung des Triplex-Rasenmähers für immer vorbei. Plötzlich konnten die Greens in einem Bruchteil der Zeit gemäht werden, und das wurde nun umso regelmäßiger getan. Greens wurden auch dann noch gemäht, wenn es gar nicht nötig war! Weitere technologische Fortschritte erlaubt es sogar, Konturen zu folgen, was das engere Mähen in Kurven erleichterte. Im Wesentlichen erhöhte das Triplex-Mähen den Druck auf den Rasen.

Kurz nach dem Triplex-Mäher wurden weitere leistungsfähige und wirkungsvolle Maschinen zur Rasenbearbeitung eingeführt. Diese Maschinen mit ihren motorangetriebenen Stahlklingen (heutzutage mit Wolframspitzen) waren viel aggressiver als die Borsten einer Bürste – man konnte sich förmlich vorstellen, wie Festuca und Agrostis bei dieser Aussicht gezittert haben! Die Leichtigkeit und Effektivität des Gebrauchs der Maschinen bewirkte, dass die Frequenz, mit der sie eingesetzt wurden, stieg. Das Ergebnis war ein erhöhter Störungsdruck des Rasens.

Der Einsatz des Triplex-Rasenmäher sowie wirksamere Bodenbearbeitungsmaschinen gaben Golfern die schnelleren Puttflächen, die sie forderten. Allerdings wurde die schädigende Wirkung auf die feinen Gräser kaum beachtet. Um es einfach auszudrücken, die feinen Festuca- und Agrostis-Capilaris-Gräser kamen mit den Schädigungen nicht zurecht. Folglich begann das Gras sich auszudünnen. Es entstanden nun Lücken, die von der Poa Annua ausgenutzt wurden – die Invasion hatte begonnen. Um den nun ausgedünnten und geschwächten Gräsern bei der Regenerierung zu helfen, wurde nun mehr gedüngt und gewässert. Poa Annua gedieh nun prächtig in dieser gestörten und produktiveren Umgebung. Die feinen Gräser nahmen signifikant ab, und viele der Puttflächen würden nie wieder wie vorher sein. Die Ära der aggressiven Pflege und der hohen Gaben von Dünger und Wasser hatte (zu unserer Schande) Einzug gehalten.

Einige Greenkeeper ignorierten den Trend zur aggressiven Oberflächenpflege. Sie wussten, dies würde ihre Oberflächen nicht besser machen. Bis zum heutigen Tag haben diejenigen Golfplätze die besten Putting-Oberflächen, die diese strengen Prinzipien aufrechterhalten haben. Die Greenkeeper mit diesem Pflegemanagement folgten dem, was Old Tom all die Jahre getan hatte. Sie wissen, dass die langsam wachsenden feinen Gräser nur sanfte Pflege erfordern, um eine hohe Qualität an der Oberfläche zu produzieren. Wenn moderne Pflegemaschinen eingesetzt werden, dann nur mit großer Vorsicht. Zum Beispiel wird nur selten vertikutiert, und dann auch nur, wenn die feinen Gräser stark wachsen. Dabei findet auf den Grüns nie ein Kahlschlag statt. Düngung und Wasser werden immer auf ein Minimum beschränkt – denn ein Zuviel davon erfordert nur eine noch aggressivere Pflege. Daher bleiben diese Flächen gefestigt und unproduktiv, und das ist der Grund, warum die feinen Gräser sich weiter sehr gut entwickeln. Old Tom Morris hat uns diesen Ansatz gelehrt. Heute nennen wir dies "traditionelles Greenkeeping".

Die Ergebnisse des traditionellen Greenkeeping wurden wieder einmal besonders deutlich, als 2005 die Open Championship auf dem Old Course in St. Andrews stattfanden. Während der Meisterschaft wurden die Grüns auf 4,5 mm belassen. Das Mähen wurde unterlassen, wenn es nicht notwendig war – die langsam wachsenden, feinen Gräser mussten einfach nicht jeden Tag gemäht werden. Leichtes Bürsten, leichtes Topdressen, ein bisschen Rollen und Vertikutieren vor dem Turnier war ausreichend, um über 10,5 Fuß auf den Stimpmeter zu erreichen sowie für einen glatten und treuen Balllauf für die besten Spieler der Welt zu sorgen. Vergleichen Sie das mit der normalen Pflege für andere Major-Turnieren. Dort werden die Grüns zwei oder drei Mal am Tag fast skalpiert! Es ist offensichtlich, welches Gras man damit fördert.

Vielleicht habe ich die Triplex-Rasenmäher und modernen Pflegemaschinen ein bisschen zu Unrecht für dieses Szenario verantwortlich gemacht, denn natürlich waren sie große Neuerungen und haben die Qualität und die Effizienz der Rasenflächenproduktion verbessert. Natürlich liegt das Problem nicht an den Maschinen, sondern in der Art und Weise, wie wir sie verwenden. Allzu oft werden sie nur zu häufig und zu aggressiv eingesetzt. Ein solcher falscher Gebrauch erhöht aber die Störung auf die Rasenflächen. Wenn der Druck zu groß wird, wird der Rasen ausdünnt und Lücken entstehen und Poa Annua hält Einzug. Damit der Rasen sich von diesem Druck erholen kann, erfordert dies eine behutsame Hand bei der Düngung und der Beregnung. Es ist diese Kombination von Störungen und einer höheren Produktivität der Gräser, die dann zur unerwünschten Dominanz von Poa Annua führt.

Ich habe keinen Zweifel, dass durch die Förderung der feineren Gräser bessere Putting Oberflächen erreicht werden können. Um hierbei erfolgreich zu sein, müssen wir unsere Pflegepraktiken anpassen, um so Störungen zu minimieren und die Produktivität zu verringern. Im Wesentlichen muss die Art und Weise, wie wir die Oberflächen bearbeiten, weniger aggressiv werden. Dies ist nicht sehr schwierig zu erreichen, lassen Sie mich ein paar einfache Strategien beschreiben...

• Mähfrequenzen reduzieren. Fragen Sie sich selbst – müssen Sie wirklich die ganze Zeit mähen? Kann man gelegentliche Mähgänge auslassen?

• Schnitthöhen anheben. Jeder Greenkeeper weiß, welche Schnitthöhe angenehm und stressfrei für seinen Rasen sind. Sie sollten diese Höhe nicht unterschreiten. Vermeiden Sie, über die Grenze ihres Rasens zu gehen, denn dieser kann damit nicht so leicht fertig werden.

• Lassen Sie die Abschlussrunde einfach jeden 2 oder auch 3 Tag aus. An der Abschlussrunde der Grüns sind die ersten Symptome einer übermäßigen Störung zuerst zu sehen (Triplex Ring). Groomen und vertikutierern Sie nicht diesem Bereich.

• Vermeiden Sie das Vertikutieren und Scarifying. Ziehen Sie Bürsten oder leichtes Groomen (Bürstenbroomer) in Betracht, um sanft den Rasen zu verfeinern. Sollte Vertikutieren oder Scarifying notwendig sein, dann stellen Sie sicher, dass die feineren Gräser zu diesem Zeitpunkt gut wachsen. Zur schnellen Erholung unterstützen Sie dies mit einer Nachsaat, damit die vollständige Wiederherstellung der Grasnarbe gefördert wird. Unter keinen Umständen benutzen sie Metallgroomer oder Vertikutierer, wenn sich die Poa Annua in der Blüte befindet.

• Erhöhen sie die Top-Dressing-Frequenzen um glatte und feste Puttflächen zubekommen, sowie auch den Filz auszudünnen. Vermeiden Sie harte Pflegemaßnahmen, um den Sand auf der Oberfläche zu schleppen, dies schadet Ihrem Rasen.
• Verwenden Sie einen Roller oder Bügler, um ein wenig mehr Tempo und Glätte zu bieten, wenn dies erforderlich ist. Dadurch wird sichergestellt, dass die Grüns auf einer höheren Schnitthöhe gehalten werden können.
• Mähen sie öfters mit der Hand anstatt mit Triplexmähern, es verursacht weniger Störungen und ermöglicht Ihnen zudem, Ihre Grünflächen besser zu überprüfen.

Der wahre Grund für das Eindringen von Poa Annua in unsere feinen Rasenoberflächen war die Bildung von Lücken im Rasen. Aggressive Oberflächenpflege war ein Weg, um solche Lücken entstehen zu lassen. Übermäßiger Eintrag von Wasser und Dünger wurden dazu benutzt, um diese Schäden wieder zu heilen. Dies führte zu einer produktiven und stark gestörten Umgebung, in der Poa Annua gedieh und dominiert. Die aktuelle Ära des aggressiven hohen Eintrags (Dünger/Wasser) im Greenkeeping fördert genau diese unerwünschte Spezies. Um die Dominanz der feineren Gräser wiederherzustellen, müssen wir einen Ausgleich und eine weniger produktive Umgebung schaffen. Um dies zu tun, müssen wir unsere Oberflächen unterschiedlich vorbereiten, aber nicht zu Lasten der Spielqualität. Der Schlüssel zu dieser Strategie ist die Minimierung von Störungen. Das bedeutet weniger aggressive Oberflächenpflege durch vorsichtige Verwendung der Triplex-Rasenmäher und der modernen Pflegemaschinen. Sie werden feststellen, dass mit diesem Ansatz die feinen Gräser auf Ihre Grüns zurückkehren.

Der falsche Gebrauch der automatischen Bewässerung ist ein weiterer Grund für den Rückgang der feineren Gräser auf den britischen und europäischen Golfplätzen in den letzten 40 Jahren. Dieses, in Verbindung mit der Erfindung der Triplexmäher und Compound-Dünger in allen ihren Formen, ist ein Desaster für die Agrostis Capillaris / Festuca Gräser. Die Schaffung von weicheren und üppiger wachsenden Rasenflächen machte das Spiel einfacher und für die TV Sender geeigneter, die nun extrem ultragrüne Bilder in unsere Wohnzimmer sendeten. Das Zeitalter des “vergötterten Grüns” war angebrochen, und schnell geriet alles Agronomische in Vergessenheit, nur um in einem Meer von Poa Annua zu ertrinken.

Wie können wir uns nun daran machen, die Fehler zu berichtigen und die beste Umgebung für die bevorzugten Gräser zu schaffen? Nun, das Werkzeug, das teilweise für den Rückgang verantwortlich war, könnte nun die Rettung sein. Die Bewässerung ist das leistungsfähigste agronomische Werkzeug, solange sie korrekt angewendet wird.

In dem Artikel "Die Beschaffenheit Ihrer Grüns verändern" wurde die Behauptung aufgestellt, dass unnötige Störungen der Hauptgrund für das Verschwinden der feinen Gräser auf unseren Golfplätzen ist. Wir haben versehentlich eine Umgebung geschaffen, die für angepasste Gräser wie Poa Annua günstiger ist: Wir düngen und wässern, weswegen wir dann aggressive Pflegmaßnahmen verwenden müssen, um vernünftige Spielflächen zu schaffen. Die feineren Gräser können einfach diese intensive Störung nicht bewältigen, während Poa Annua nichts lieber hat.

Greenkeeping erfordert ein Grundwissen über die ökologischen Strategien der zwei oder drei wichtigsten Gräser. Der Erfolg wird sich einstellen, wenn wir die richtige Umgebung für die feineren Gräser schaffen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die feinen Agrostis-und Festuca-Gräser eine feste und unproduktive Umgebung bevorzugen, während Poa Annua dominiert, wenn Produktivität und Störungsdruck besonders hoch sind. Wenn man diese ökologischen Strategien versteht, können wir leicht den pflanzlichen Rückgang auf den Puttingoberflächen umkehren, den wir in den vergangenen 50 Jahren erlebt haben. Wir müssen von hohen Einträgen (Dünger / Wasser) und den aggressiven Greenkeeping-Praktiken abrücken. Eines der wichtigsten Werkzeuge in diesem Prozess ist die korrekte Verwendung der Bewässerung. Glauben Sie mir, wenn wir dieses richtig hinbekommen, werden die feineren Gräser zurückkehren, und wir werden den wahren Genuss von echtem Golf wiederherstellen.

Lassen Sie uns zwei Szenarien in Betracht ziehen. Das erste ist eine von einjährigem Rispengras dominierte Oberfläche. Seit Jahren wurde diese überdüngt und überwässert, mit manchmal 5 cm Filz in der oberen Hälfte der Rasentragschicht. Die Puttflächen im Sommer sind meist zufriedenstellend, im Winter hingegen sind die Oberflächen weich und krankheitsanfällig. Zur Verbesserung der Rasenqualität müssen wir hier die Produktivität der Umwelt reduzieren, die wir durch Minimierung der Beregnung und der Düngemittel erzielen. Zum gleichen Zeitpunkt müssen wir die richtigen Bodenverhältnisse schaffen, indem wir den Filz reduzieren, damit die feinen Gräser gedeihen können. Dies verbessert die Festigkeit der Fläche und reduziert die Notwendigkeit für übermäßige Störung, was wiederum eine ruhigere Umgebung schafft. Wenn die Produktivität gesenkt wird, sollte dies durch einen sukzessiver Ansatz geschehen, denn durch eine radikale Änderung der Bewässerungs- oder Düngermenge wird die Spielqualität übermäßig beeinträchtigt.

Das zweite Szenario ist eine Rasenfläche, auf der sowohl Agrostis Capillaris und Festuca-Gräser dominieren und nur eine geringe Belastung mit Poa Annua herrscht. Hier ist das Ziel, die Dominanz der feinen Gräser beizubehalten. Wir tun dies, indem wir durch eine starke Regulierung der Bewässerungsmenge kontrollierten Druck auf die schwachen Wurzeln der Poa Annua ausüben, damit diese sich nicht ausbreiten. Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir im Spätsommer noch mehr Möglichkeiten, mit Bewässerungseffekten zu spielen. Dadurch können wir die Widerstandsfähigkeit der Poa Annua weiter senken, bevor die Nachsaat mit Agrostis Capilaris / Festuca-Gräsern erfolgt.

In beiden Szenarien geht es darum, ein festeres und möglichst unproduktives Umfeld zu schaffen. Zum geeigneten Zeitpunkt sollte die Bewässerung beschränkt werden, um hierdurch den notwendigen Druck auf die flach wachsenden Wurzeln der Poa Annua auszuüben und so die Widerstandskraft zu senken. Wenn der Anteil an feine Graskomponenten zunimmt, kann eine größere Belastung ausgeübt werden, da der Wasserbedarf des Rasens natürlich abnimmt.

Die richtige Bewässerung ist letztlich ausschlaggebend für die Kultivierung von feinen Rasenflächen. Wir nutzen sie, um die Stärken der tief verwurzelten feinen Gräser zu begünstigen und die Schwächen des flachen wurzelnden jährlichen Rispengrases auszunutzen. Ist der Einsatz der Bewässerung korrekt, wird die Dominanz der feinen Gräser wiederhergestellt, und uns Golfflächen bieten, die dem Erbe dieses Spiels angemessen sind.

Das Ausmaß, in welchem die Bewässerung ausgebracht wird, ist natürlich die größte Herausforderung. Der Wasserbedarf verringert sich, sobald wir die Mengen optimieren und die Wasserdurchlässigkeit maximieren. In der heutigen Zeit ist es wichtig, dass das Wasser vollständig vom Rasen genutzt und nicht verschwendet wird. Aber wie viel oder wie wenig bringen wir denn nun aus? Gut, das ist die 64.000-Euro-Frage. Ich glaube nicht, dass dies theoretisch beigebracht werden kann. Jede Fläche ist anders, jedes Grün ist anders und jeder Quadratmeter Rasen ist anders. Der Versuch, diese Unterschiede empirisch zu messen und dann eine allgemeingültige Lösung anzubieten, ist illusorisch. Der Versuch, dieses Konzept umzusetzen, wird aller Wahrscheinlichkeit nach zu einem weiteren Rückgang der Rasenqualität führen. Es besteht kein Zweifel, dass eine effektive Bewässerung eine Kunst ist und keine Wissenschaft. Allerdings gibt es einen maßgeblichen Grundsatz – Wasser sollte nur angewendet werden, um den Rasen lebendig und die Oberfläche gleichmäßig zu halten – sonst nichts!

Ein erfolgreiches Bewässerungsmanagement kann nur erreicht werden, wenn die Greenkeeper die richtigen Schlüsse ziehen. Es gibt keinen Ersatz für einen guten Mann mit fundierten Kenntnissen über seinen Golfplatz. Der Verantwortliche sollte viel besser wissen als jeder Computer oder jeder Tensiometer, wie viel Wasser benötigt wird, um den Rasen lebendig zu halten, agronomischen Verbesserung zu erleichtern und die Spielqualität zu optimieren. Wenn wir den Anteil des feinen Grases auf unseren Grüns wiederherstellen wollen, müssen die Golfer auf das Urteil der Greenkeeper vertrauen.

Bewässerung bedeutet nicht nur einfach die Taste auf dem automatischen System zu drücken. Dieser Ansatz wird zur allgemeinen agronomischen Verschlechterung führen. Wir müssen eine gesunde trockene Fläche schaffen, anstatt einer zu üppigen und zu dynamischen. Um hierbei zu helfen, müssen wir sicherzustellen, dass das Wasser, welches wir ausbringen, auch in den Boden eindringen kann. Dies wird durch die Verwendung von Wetting Agents kombiniert und mit regelmäßigen Belüftungsmaßnahmen erreicht. Hinzu kommt, dass viele Clubs großen Erfolg mit Wassereinspritzungsbelüftung mittels Hydroject haben. Die Böden werden so nicht nur belüftet, die tiefer verwurzelten feinen Gräser werden so außerdem besser mit Wasser versorgt, was ihnen einen größeren Wettbewerbsvorteil gegenüber der flacher verwurzelten Poa Annua gibt.

Die Bewässerungssysteme von heute sind großartige und ausgetüftelte Werkzeuge, aber auch eine Katastrophe, wenn sie in die falschen Hände geraten. Es waren zu viele falsche Hände am Werk, die über die letzten vierzig Jahre für den Rückgang des feinen Gräser auf unseren Plätzen sorgten. Wir haben die Pflicht, dies zu korrigieren und die Verbindung zwischen dem Gras, auf dem wir spielen, und dem Spiel an sich wiederherzustellen. Unser Golf-Erbe hängt zum großen Teil von der richtigen Bewässerung ab.

Es ist nicht das, was Sie denken

In den Zeiten einer gesunden Debatte, beschäftigen Sie sich doch einmal mit diesem Gedanken ...
... Sie sollen Ihren Rasen ja nicht darben lassen, um die Entwicklung der feineren Gräser zu begünstigen.

Um die feineren Gräser zu bevorzugen, geht es beim Düngen mehr um die Nicht-Überdüngung als um die Annahme einer Hunger-Strategie. Das Ziel dieses Artikels ist es, dass Sie eine Rezeptur für Ihr Dünge-Programm entwickeln, die die Bedürfnisse der feineren Gräser im Auge behält. Mit einer Vorherrschaft von Agrostis Capillaris / Festuca können wir eine ganzjährig bessere Qualität der Oberfläche erreichen.

Die Abwärtsspirale

Das Problem ist, dass zu viel Dünger Sie dazu zwingt, intensiv zu vertikutieren und aggressiv zu mähen, um feste, schnelle und regelrechte Spielflächen vorzubereiten. Dadurch werden dann Aerifizieren mit Hohlspoons und tiefes Vertikutieren notwendig, um den Filz in den tieferen Schichten loszuwerden. Es ist aber dieser unaufhörliche Schaden, den die feineren Gräser nicht überleben können. Eine solch aggressive Methode zu Herstellung von Putting-Oberflächen führt zwangsläufig zu weiteren Düngeranwendungen, damit der Rasen sich von den Angriffen wieder erholen kann. Die ständige Störung gekoppelt mit hoher Produktivität führt zur Dominanz des einjährigen Rispengrases.

Das ist es

Wir versuchen, Düngereinträge zu minimieren, um die Notwendigkeit von Störungen zu reduzieren. Eine festere und weniger intensiv gepflegte Umgebung wird Agrostis Capillaris / Festuca eine faire Chance geben. Eine weniger gestörte Umgebung erlaubt es, ein wenig Stress auf das jährliche Rispengras auszuüben. Lassen Sie mich etwas über das Düngen von Golfgrüns sagen, das die feineren Gräser begünstigt.

Wir machen einen Schritt zurück und denken nach

Unser Ziel im Greenkeeping ist es, Spielflächen von höchstmöglicher Qualität zu schaffen. Wenn das bedeutet, dass wir eine Dominanz der feineren Gräser begünstigen wollen, müssen wir auf die richtige Umgebung setzen. Um letztlich den Grad der Störung zu minimieren, müssen wir die Düngereinträge reduzieren. An einem gewissen Punkt während des Sommers in der Zeit der Nachsaat üben wir dann vorteilhaft Stress auf das jährliche Rispengras aus, um den feineren Gräser einen Vorteil zu geben. Wir gleichen diese Belastung mit umsichtiger Bewässerung anstatt Düngung aus, weil diese leichter zu kontrollieren ist. Generell versuchen wir, Bewässerungsapplikationen auf einem Minimum zu halten, um einen Filzaufbau zu verhindern, aber wir nutzen dies nur, um für eine kurze Zeit Druck auszuüben. Dies wird dazu dienen, die jährliche Rispengras zu schwächen, bevor die neuen Samen entstehen. Zu viel Stress für eine zu lange Zeit schwächt alle Arten von Gräsern, und die Golfgrüns werden zu stark beansprucht, um schwach zu sein. Siehe auch "Die Beschaffenheit Ihrer Grüns verändern" für weitere Details.

Gerade genug

Wir wollen also Düngereinträge minimieren, um die Notwendigkeit für die unaufhörlichen aggressiven Maßnahmen zu reduzieren. Minimal (manche würden sagen "optimal") bedeutet, für gerade genug Wachstum auf der Puttfläche zu sorgen, um diese vorzubereiten und das Spiel auszuhalten, ohne zerstört zu werden. Das gewünschte Niveau des Wachstums wird variieren, je nachdem, was wir zu verschiedenen Zeiten des Jahres erreichen wollen. Im Frühling zum Beispiel müssen wir ein gewisses Maß an Wachstum generieren, um eine Erholung nach Winterschäden zu gewährleisten, sowie eine frühe Saisonvorbereitung zu ermöglichen. Im Sommer, wenn wir unsere Oberflächen gut aufgestellt haben, möchten wir ein ruhiges Wachstum, um möglichst wenig aggressive Pflegemaßnahmen durchführen zu müssen. Im Herbst müssen wir sicherstellen, dass der Rasen stark genug ist, um sich von den Ausbesserungen am Ende der Saison zu erholen, bevor die Winterruhe beginnt. Wenn Sie nun den Düngereintrag minimieren, konzentrieren Sie sich auf Fingerspitzengefühl und Timing. Früher wurde noch per Hand gedüngt, um eingegrenzte Bereiche auszulassen oder extra Nährstoffe in Abhängigkeit von den Rasenbedingungen auszubringen - nun, das ist Finesse! Im Wesentlichen gilt es nur dort zu düngen, wo es notwendig ist, und nicht mehr.




Stickstoff

In Bezug auf die Stickstoffdüngung hält die Erfahrung in Dänemark mit bodennah aufgebauten Grüns 5-7 g N / m2 pro Jahr für ausreichend. Sie sollten so wenig wie nötig ausbringen, damit Sie nicht zu oft über den Sommer vertikutieren müssen. Seien Sie vorsichtig, Grüns mit einer hohen N Düngung zu entwöhnen, dies kann auch zu negative Folgen in Form von Krankheiten führen. Regelmäßigkeit und Urteilsvertrauen, das ist alles.

In den meisten Fällen sollte die Hauptstickstoffquelle Ammoniumsulfat sein, um einen Versauerungseffekt zu erzielen. Die feineren Gräser können einen pH-Wert unter 5,5 tolerieren, während Poa Annua dies nicht kann. Nährstoffverfügbarkeit und mikrobielle Aktivität sind Faktoren, um die es in diesem Artikel aber nicht gehen soll. Im Allgemeinen kann durch eine pH-Wert-Absenkung das jährliche Rispengras ausselektiert werden. Daher sollten rund 75 % des Gesamtstickstoffes aus Ammonium-Sulphat bestehen.

Der verbleibende Stickstoff (25%) kann während der Sommermonate mit kleinen Flüssigmengen Urea-Basis ausgeglichen werden. Verwenden Sie nicht zu viel organischen Stickstoff und/oder Nitrat, da dies durch üppiges Wachstum nur die Anfälligkeit gegenüber Krankheit fördert. Krankheit ist gleich Störung und spielt damit in die Hände des jährlichen Rispengrases. Versuchen Sie einfach, Stickstoffeinträge zu minimieren, wodurch die Notwendigkeit für eine Störung reduziert wird.

Festuca kann bei einem hohen pH-Wert gedeihen, aber eine Poa Annua Dominanz kann nur durch eine übergeordneten Umweltbelastung, wie zum Beispiel erhöhtem Salzgehalt oder Trockenheit, vermieden werden. Vom Kalken profitieren im Allgemeinen Unkräuter, Würmer und Krankheiten.

Phosphat

Die Forschungsergebnisse zum Einfluss von Phosphat-Anwendungen auf die Qualität feiner Rasengräser sind widersprüchlich. Ständige Anwendung von Phosphatdüngern fördert zweifellos die Entwicklung der jährlichen Rispengräser, aber bei geringeren Gaben ist dieser Zusammenhang nicht eindeutig bewiesen. Regelmäßige Phosphatgaben schaffen ideale Bedingungen für die Samenkeimung, zum Vorteil der Poa Annua. Bewahren Sie kühlen Kopf und denken Sie daran, dass Phosphate in der Regel nicht notwendig sind, um Agrostis Capilaris und Festuca zu begünstigen.
Ich denke, dass das bekannte Problem von durch regelrecht „verbrannte“ Hasenurin Flecken dahingehend interpretiert werden sollte, dass Brandstellen eher in Verbindung stehen mit harnstoffhaltigen Düngern – nur um damit zu einer Invasion von Einjährigem Rispengras zu führen –, und nicht direkte Folge von hohen Phosphat-Gaben sind.

Kalium

Kalium ist beweglicher und kann unter Umständen auf sandigen Böden als Ergänzung notwendig sein. Sicherlich hat Kalium Vorteile in Bezug auf Trockenheit und Krankheitstoleranz, aber setzen Sie nicht alle Ihre Hoffnungen darauf. Überwachen Sie die Kaliwerte jährlich, wenn es irgendeinen Zweifel gibt. Denken Sie daran, dass die Begünstigung der feineren Gräser von der Minimierung von Störungen abhängt.

Halten Sie es einfach

Was bedeutet dies also in Bezug auf Ihr Düngeprogramm? Zum Beispiel könnten Sie das Wachstum im Frühjahr mit einer Düngung mit Lawn Sand anregen. Dieser sollte mit dem Beginn des Frühlingswachstums ausgebracht werden und zur Erholung von Winterschäden führen. Eine Anwendung von 8:0:0 oder 8:0:6 könnte ausgebracht werden, wenn das Wachstum im Frühjahr stark eingesetzt hat. Dieses Wachstum erlaubt es, frühe Saisonvorbereitungen vorzunehmen. Mit einem Dünger auf Ammonium-Sulphat-Basis im Frühjahr wird durch die Absenkung des Oberflächen-pH-Wertes die Poa Annua daran gehindert, sich in den Rasenlücken festzusetzen. Flüssigdüngungen können dann gelegentlich in den Sommermonaten angewendet werden, um die Gräser gesund zu erhalten, anstatt für üppiges Wachstum zu sorgen. Seaweed kann in einer Anmischung mit anderen Flüssigdüngern eingesetzt werden, wenn Sie der Meinung sind, dass dies eine positive Wirkung hat. Um im Herbst das Wachstum zu stärken und den Rasen gegen Krankheit zu härten, empfiehlt sich als Abschluss die Anwendung eines Rasen-Hardener (2-0-2 3-0-3 Fe o. ä.). Die Anwendungsmenge sollte so gering wie notwendig sein. Ihr Düngeprogramm sollte sich auf ein kontrolliertes Wachstum konzentrieren, so dass Sie auf aggressive Oberflächenpflege verzichten können.

Oberflächenpflege

Wie aber bereiten wir die Oberflächen ohne unaufhörliches Vertikutieren oder immer niedrigeren Schnitthöhen vor? Mit dem Frühjahrwachstum starten sie mit starken Top-Dress-Gaben, um die Oberflächen zu festigen und herzurichten. Vertikutieren könnte in dieser Zeit ab und an notwendig sein, aber nicht übermäßig und zu oft. Sobald die Oberflächen vorbereitet sind, sollten wir anstreben, sie in Ruhe zu lassen. Wir pflegen unsere festen, treuen und glatte Oberflächen ohne übermäßiges Wachstum durch Bürsten, leichtes Top-Dressing, rollen, vernünftige Schnitthöhen und falls notwendig durch einzelnes leichtes Vertikutieren.

Regelmäßiges Top-Dressing hat den zusätzlichen Vorteil, den Rasenboden sandig und unattraktiv für Samenkeimung der Poa Annua zu halten.

Weniger ist mehr

Wenn Sie den Boden für die feineren Gräser düngen wollen, sollten Sie die Minimierung von aggressiven Oberflächenbehandlungen im Auge behalten. Sie werden im Frühjahr ein starkes Wachstum benötigen, um Ihre Oberflächen vorzubereiten, dann sollten sie aber mit der Natur gehen. Ihre Aufgabe ist es, ein möglichst niedriges Wachstumsniveau zu finden, bei dem die Oberflächenqualität ohne unaufhörliches Vertikutieren erhalten bleibt. Bitten Sie Ihren Dünger-Lieferanten, sich auf dies zu konzentrieren, wenn er Empfehlungen basierend auf Bodenanalyseergebnissen gibt.

Die feinen Gräser sind zarte Seelen, sie mögen keine grobe Behandlung, dafür können Sie aber Stress standhalten. Wir üben über eine begrenzte Zeit im Sommer Stress auf das Einjährige Rispengras aus, indem wir es kontrolliert austrocken lassen und gleichzeitig eine Nachsaat durchführen, um so den Sämlingen die Möglichkeit zu geben sich durchzusetzen. Seien Sie geduldig und bleiben Sie bei Ihren Grundsätzen, dann wird das feine Gras kommen.

Behalten Sie diesen Gedanken in Ihrem Kopf ...

... Aggressives Greenkeeping ist der Tod des feinen Grases.



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